Jacques Couvillon: Chicken Dance

Chicken Dance

Fester Einband: 334 Seiten
Erschienen bei Bloomsbury, 01.02.2011
ISBN 9783827054586
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Don wächst auf einer Hühnerfarm irgendwo in einem abgelegenen amerikanische Dorf auf. Hühnerfarm klingt langweilig, oder? Don liebt seine Hühner, sind sie doch die einzigen Freunde die er hat. In der Schule wird er gehänselt, den Eltern scheint er egal zu sein, also befasst sich Don mit Hühnern. Er lernt alles über Hühner was man lernen kann und gewinnt einen Hühner-Wissens-Wettbewerb. Nach dem Sieg beim Wettbewerb ändert sich sein Leben. Die Eltern scheinen sich für ihn zu interessieren, die Mitschüler scheinen sich für ihn zu interessieren und die Leute im Dorf nehmen ihn nun auch zur Kenntnis. Durch Zufall findet Don heraus, dass seine bis anhin tot geglaubte Schwester Dawn gar nicht tot ist und macht sich auf die Suche nach ihr. Er sucht Dawn und findet die Wahrheit über sich und seine Familie. Die meisten Menschen in seinem nahen Umfeld sind nicht die für die er sie gehalten hat und auch über sich selbst erfährt Don so einiges. Die Geschichte an sich ist eher traurig. Ein Teenager der in einer nicht funktionierenden Familie in der Abgelegenheit der USA aufwächst, keine Freunde hat und nicht beliebt ist. Und trotzdem hat es in diesem Buch sehr rührende Szenen und schöne und witzige Dialoge. Don scheint mir manchmal fast etwas zu erwachsen zu sein für seine 12 Jahre. Er denkt sehr vernünftig, viele Kinder würden wahrscheinlich anders denken. Ansonsten entspricht Familie Schmidt sehr vielen Klischees. Essen von Fertiggerichten, gemeinsam vor der Glotze sitzen und kaum miteinander kommunizieren. Lange passiert in diesem Buch oberflächlich nicht sehr viel (wenn man zwischen den Zeilen liest allerdings schon), ab der Hälfte des Buches konnte ich dann fast nicht mehr aufhören, weils da wirklich spannend wird. Schade, passiert dies nicht schon früher.

John Stephens: Emerald

Emerald

Fester Einband: 459 Seiten
Erschienen bei cbj, 31.03.2011
ISBN 9783570152928
Genre: Science-Fiction & Fantasy

Emma, Michael und Katherine werden schon früh von ihren Eltern getrennt und von einem Waisenhaus zum anderen abgeschoben. Lange glauben sie von ihren Eltern im Stich gelassen worden zu sein, langsam kommen sie aber den Gründen auf die Spur. Eines Tages landen sie in einem sehr mysteriösen und äusserst seltsamen Waisenhaus mit ebenso seltsamen Personen, die die Leitung des Heims innehaben. Seltsam finden die Kinder auch, dass sie offenbar die einzigen Bewohner in diesem Heim sind, doch sehr seltsam für ein öffentliches Waisenhaus. Durch Zufall (oder doch nicht Zufall?) fällt den Kindern ein Buch in die Hand, danach fängt das Unheil an. Das Buch, das Erste einer ganzen Chronik, scheint magische Kräfte zu haben, doch nicht alle können mit diesen Kräften umgehen. Durch richtige Handhabung kann der Benutzer durch die Zeit reisen und hat somit auch die Macht die Welt aus der Vergangenheit heraus zu verändern und zu beeinflussen. Kein Wunder, sind einige skurrile und skrupellose Menschen hinter diesem Buch und somit hinter den drei Geschwistern her. Für Spannung ist gesorgt! Was mit einer guten Idee im Sinne von Cornelia Funkes „Tintenherz“ beginnt, endet leider in etwas wirren Zeitsprüngen. Für den Leser ist es irgendwann unglaublich schwierig herauszukristallisieren in welcher Zeit man sich gerade befindet. Gegenwart, Vergangenheit oder gar Vorvergangenheit? Schwierig nachzuvollziehen auch deshalb, weil die Zeiten nicht klar voneinander getrennt sind und alle Handlungsstränge parallel zueinander laufen. Spannend ist das Buch allemal und es liest sich auch sprachlich sehr süffig, da in einer einfacher Sprache verfasst. Die Reise durch die Zeit wurde aber meiner Meinung nach etwas übertrieben, weniger wäre in diesem Fall mehr gewesen!

Mary Jane Beaufrand: Dunkle Wasser

Dunkle Wasser

Fester Einband: 263 Seiten
Erschienen bei Coppenrath, F, 28.02.2011
ISBN 9783815750940
Genre: Kinder- & Jugendbuch

 

Veronica zieht mit ihren Eltern aus der Grossstadt in die amerikanische Provinz. Das einzige was man in diesem Nest machen kann, ist kilometerweit joggen. Auf ihren täglichen Joggingtouren lernt Veronica (oder Ronnie wie sie auch genannnt wird) ihre neuen Nachbarn kennen, unter anderem auch die kleine Karen. Obwohl einige Jahre zwischen Ronnie und Karen liegen, freunden sich die zwei an. Durch Karen lernt Ronnie die Natur von einem ganz anderen Blickwinkel kennen. Stundenlang streifen die zwei durch die Wälder und entdecken ständig etwas Neues. Eines Tages findet Ronnie Karen tot im Fluss liegen. Die Behörden gehen von einem Unfall aus, Ronnie glaubt von Anfang nicht an einen Unfall und macht sich auf Spurensuche. Ronnie sollte Recht behalten. Hinter dem angeblichen Unfall steckt viel viel mehr, als man es sich in dem kleinen Dorf je vorstellen konnte. Und Ronnie begibt sich durch ihre Recherchen selbst in Gefahr…. Die Autorin schreibt in einer einfachen, aber sehr fesselnden Sprache. Das Buch ist dermassen spannend erzählt, dass der Leser es fast in einem Zug durchlesen kann. Wer ein spannendes Jugendbuch sucht, ist hier absolut an der richtigen Adresse!

Buchzitat 1

Der Fluss war einfach nur der Fluss. Mir kam plötzlich der Gedanke, dass er wie das Lebern war, der Fluss. Man liess sich auf ihm treiben, und wenn es stark regnete und das Wasser anstieg, würde es auch irgendwann wieder absinken.

Aus „Dunkle Gewässer“ von Joe R. Lansdale

Joe R. Lansdale: Dunkle Gewässer

Dunkle Gewässer

Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Tropen bei Klett-Cotta, 21.02.2013
ISBN 9783608501315
Genre: Krimi & Thriller

Im Sabine River wird eine Leiche eines Mädchens gefunden. Es stellt sich bald heraus, dass es sich um die schöne May Lynn handelt. Ihre Freunde – ein Schwuler namens Terry, die Schwarze Jink und die Weisse Sue Ellen sind schockiert, als sie die Leiche entdecken. Beim Durchsuchen auf Hinweise über den Tod ihrer Freundin finden die drei Hinweise, der sie zur Beute eines Banküberfalls führen soll.  Eine Frage beschäftigt die drei Freunde: Ist May Lynn aus Habgier getötet worden. Als sie der Beute tatsächlich auf die Spur kommen, sind sie die Gejagten. Zusammen mit Sue Ellens labiler Mutter flüchten sie, ständig gejagt von Polizei, skurillen Killern und habgierigen Verwandten.

Das Buch ist in erster Linie ein gut aufgebauter, manchmal etwas sprunghafter Kriminalroman. Gleichzeitig aber auch sicherlich ein Gesellschaftsroman.  Dass Schwarze und Weisse befreundet sind ist in einigen Teilen der Welt immer noch undenkbar. Auch in diesem Buch wird sehr oft deutlich, dass dies in dieser Gegend der USA immer noch nicht gern gesehen ist. Dazu kommt noch der schwule Teddy, der seine Neigungen für sich behalten muss um nicht als krank bezeichnet zu werden und zu guter Letzt Sue Ellens alkoholabhängige Mutter die jahrelang nur das Bett hüten konnte, weil sie für jegliche Aktivitäten zu schwach und ständig zugedröhnt war. Vier völlig unterschiedliche Menschen, die nicht miteinander befreundet sein dürften, tun es trotzdem und schlagen sich gegen alle Widerstände gemeinsam durch das Leben.

Der gesellschaftskritische Teil der Geschichte hat mir sehr gut gefallen, der eigentlich kriminalistische Teil war aber oft sehr durchsichtig und in dem Sinne nichts Neues. Trotzdem schafft es der Autor einen Spannungsbogen aufrecht zu erhalten, der mich gefesselt hat.

Carson McCullers: Das Herz ist ein einsamer Jäger

Das Herz ist ein einsamer Jäger

 

Flexibler Einband: 314 Seiten
Erschienen bei Diogenes
ISBN 9783257201437
Genre: Gegenwartsliteratur

Das Buch spielt in einer kleinen Stadt in Georgia/USA. Es erzählt die Geschichte von sehr verschiedenen Menschen, die doch etwas gemeinsam haben – das doch eher trostlose Leben. Jack, ein Alkoholiker der nicht oder kaum über die Runden kommt, der schwerkranke schwarze Arzt Copeland, die kleine Mick Kelly und der Wirt Biff Brannon. Alle scheinen viele Probleme zu haben und treffen sich ausgerechnet bei einem Taubstummen namens Singer. Ihm erzählen sie seine Geschichten, ausgerechnet einem Taubstummen, der wahrscheinlich nicht einmal alles versteht. Das Leben nimmt seinen Lauf, es wird ums Überleben gekämpft, sich für Gleichberechtigung zwischen Schwarzen und Weissen eingesetzt und von einem besseren Leben geträumt. Die Themen in diesem Buch hätten Potenzial zu einer guten Geschichte. So, wie sie McCullers geschrieben hat, ist davon leider nicht viel spürbar. Das Buch wirkt sehr deprimierend, lange am Stück zu lesen, schaffte ich fast nicht, weil dermassen viele schlechte Gefühle hochkamen, dass es kein Genuss war. Die einzige Person, die etwas Hoffnung verströmt hat, war die kleine Mick. Ihr Traum war Musikerin zu werden, sie hat mit ihrer kindlichen Naivitiät ein wenig für Erheiterung gesorgt (wenn man es denn so nennen kann) und bei ihr sah ich am Ende des Buches auch als einzige ein kleines Stückchen Hoffnung für ein besseres Leben. Ansonsten bleibt einiges ungeklärt, was mich als Leser geärgert hat. Ich habe nicht bereut das Buch gelesen zu haben, sonderlich gefallen hat es mir aber nicht!

Sobo: Der Nussknacker

Nussknacker

Fester Einband: 624 Seiten
Erschienen bei Baumhaus Verlag, 01.11.2011
ISBN 9783833900471
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Die Idee ist grandios: Ein Roman, der durch das 20. Jahrhundert führt, für Kinder und Jugendliche gut verständlich. Die Umsetzung ist leider nur halbwegs gelungen. Das Jahrhundert wird aus Sicht eines Nussknackers erzählt, der um 1900 in Bayern geschnitz wird. Danach reist er durch Raum und Zeit, lernt Länder und Städte kennen und die Geschichten seiner jeweiligen Besitzer. Der Leser erfährt wirklich sehr viel über die einzelnen wichtigen Ereignisse des Jahrhunderts – vom Untergang der Titanic, der beiden Weltkriege bis hin zum Mauerfall und dem Amoklauf in Littleton 1999 – auch sind diese in einer einfachen und verständlichen Sprache erzählt. Soweit so gut. Die Reise des Nussknackers verläuft aber (zu) oft sehr zufällig und konstruiert, die Übergänge sind oft zu wenig fliessend, so wird teilweise Ereignis an Ereignis gereiht. Sanftere Übergänge wären sicherlich angenehmer gewesen, auch wenn das Buch dadurch sicherlich noch umfangreicher geworden wäre. Es hätte sich aber gelohnt! Das Lesen hat aber trotz allem sehr viel Spass gemacht. Auf knapp 800 Seiten wird ein ganzes Jahrhundert umrissen. Man lernt eine ganze Menge dabei und kann sich auch selbst testen, was man alles gewusst hätte. Es wurde mir als Leser nie langweilig, obwohl ich einige Ereignisse vielleicht anders gewichtet hätte. Es lohnt sich auf jeden Fall sich durch diesen Schmöker zu lesen.


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