Archive for the ‘Buchrezensionen’


Elisabeth Zöller: Der schwarze Vorhang

Der schwarze Vorhang

Fester Einband: 349 Seiten
Erschienen bei Fischer Taschenbuch, 04.10.2010
ISBN 9783596852499
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Die 16-jährige Mara lebt mit Ihrer Mutter in einem kleinen holländischen Dorf Mitte des 17. Jahrhunderts. Den Vater hat sie nie kennengelernt. Als Mara ihre Mutter zu verlieren scheint, schickt diese sie nach Amsterdam. Dort soll sie sich auf die Suche nach ihrer Herkunft machen. Alles was Mara besitzt, ist ein mysteriöses Bild und die Erinnerung an ihre Mutter. Die Story des Buches ist sehr einfach gestrickt, es lebt auch nicht von hochliterarischer Sprache. Die Autorin schafft es aber ungemein gut, die damalige Zeit in einfachen Worten authentisch zu vermitteln. Das Buch lebt eindeutig von der Spannung und der „süffigen“ und einfach zu verstehenden Sprache. Das Buch würde ich ab 13 Jahren empfehlen, mit gewissen historischen Interessen vielleicht auch schon etwas früher. Obwohl „der schwarze Vorhang“ ein Jugendbuch ist, werden auch Erwachsene Freude daran haben!

 

Marie Rutkowski: Die Kronos Geheimnisse – Das Kabinett der Wunder

Die Kronos Geheimnisse - Das Kabinett der Wunder

Fester Einband: 348 Seiten
Erschienen bei cbj, 19.02.2009
ISBN 9783570136720
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Die zwölfjährige Petra Kronos wächst in Böhmen ausserhalb Prags auf. Ihr Vater ist ein Uhrmacher, soll für den Prinzen eine besondere Uhr anfertigen. Eine Uhr, die weitaus mehr kann als „nur“ die Zeit zu lesen. Anstatt wie erhofft mit Reichtum aus Prag zurückzukommen, kehrt Petras Vater ohne Augen zurück. Von nun an muss sich der Uhrmacher blind durchs Leben schlagen. Petra schwört Rache und will herausfinden warum Prinz Rodolfo Vaters Augen behalten hat. Zusammen mit Astrophil, einer mechanischen Spinne, will Petra die Augen zurückholen. Noch weiss Petra nicht, was sie in der Salamanderburg, dem Schloss des Prinzen, erwartet. Die Mischung aus Abenteuerroman und magisch-fantastischen Elementen macht dieses Buch absolut lesenswert. Gespickt mit ein wenig historischen Fakten entführt und die Autorin auf eine spannende Zeitreise. Petra ist eine sympathische Hauptfigur die mit allem was ihr zur Verfügung steht gegen das Böse, in diesem Falle gegen Prinz Rodolfo kämpft. Die amüsanten Dialoge mit ihrer Spinne Astrophil bringen einen humorvollen Teil in dieses Buch!

Marie Rutkowski: Die Kronos Geheimnisse – das magische Schwert

Die Kronos Geheimnisse - Das magische Schwert

Fester Einband: 367 Seiten
Erschienen bei cbj, 09.06.2010
ISBN 9783570137444
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Nach Petras Einbruch in die Salamanderburg schwört Prinz Rodolfo Rache. Nur ungern lässt sich der mächtige Prinz von einem Kind überlisten. Petra hat sich das zurück geholt was ihrem Vater und ihrer Familie gehört. Damit kehrt aber alles andere als Ruhe ein. Der Prinz jagt seine besten Leute auf die Kronos-Familie. Petra wird in allerletzter Minute gerettet und nach London gebracht. Dort ist sie erst Gefangene, schafft es dann aber ihr eigenes Leben aufzubauen. Petra gerät mitten in ein Verwirrspiel aus Macht und Verrat welches sie letztendlich direkt zum englischen Königshaus führt. Erfährt Petra dort endlich was mit ihrem Vater geschehen ist, vom dem sie seit ihrer „Flucht“ nach London nichts mehr gehört hat? Was hat Petra mit der Ermordung von zwei wichtigen Vertrauten der englischen Königin zu tun? Was treiben Kid, ihr Fechtlehrer und John Dee, ihr Retter, für ein Spiel? Auch im zweiten Band der „Kronos-Geheimnisse“ ist Astrophil wieder mit dabei. Astrophil, die schlaue belesene Spinne die über Gedankenübertragung mit Petra sprechen kann und ihr in heiklen Situationen immer gute Tipps geht. Die Unterhaltungen der beiden sind sehr amüsant und humorvoll. Im Gegensatz zum ersten Band wird mit viel mehr historischen Fakten gespielt, was aber für das Verständnis der Geschichte absolut notwendig ist. Die magisch-fantastischen Elemente sind viel ausgeprägter als im ersten Band. Auch der zweite Band wird nicht mit literarisch hochstehender Sprache, aber mit viel Spannung erzählt, sodass man gerne Kapitel für Kapitel durchliest!

M.C. Scott: Das Rätsel des Kristallschädels

Das Rätsel des Kristallschädels

Flexibler Einband: 426 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 11.08.2009
ISBN 9783548269573
Genre: Krimi & Thriller

Stella, eine Wissenschaftlerin und ihr Mann Kit, finden auf einer Höhlentour einen Kristallschädel. Kit, der schon lange auf der Suche nach diesem Kristall war, kann sein Glück kaum fassen. Doch das dieser Schädel beider Leben gefährdet, ahnen sie noch nicht. Stella und Kit stellen Nachforschungen an. Diese führen sie in die Mitte des 16. Jahrhunderts, in die Maya-Zeit. Die Mayas sollen 13 dieser Kristalle erschaffen haben. Nur wenn alle 13 Steine zusammenkommen und am richtigen Ort eingepflanzt werden, kann die Welt gerettet werden. Ansonsten droht der Welt am 21.12.2012 der Untergang. Der Roman basiert auf den Prophezeiungen des Maya-Kalenders, wonach die Welt 2012 untergehen soll. Auch den Kristallschädel soll es gegeben haben, es gibt allerdings viele Theorien über dessen Entstehung. Historische Fakten und Fiktion werden clever zu einer spannenden Story verknüpft. Auch den parallel laufenden Handlungssträngen kann der Leser gut folgen, sind doch die Kapitel sehr angenehm gegliedert. Man weiss also immer in welcher Zeit man sich gerade befindet. Lesenswert!

Bettina Belitz: Luzie & Leander – verflucht himmlisch

Verflucht himmlisch

Flexibler Einband: 223 Seiten
Erschienen bei Loewe, 07.06.2010
ISBN 9783785571910
Genre: Kinder,- und Jugendbuch

Luzie Morgenroth ist 13 Jahre alt. Luzies Vater betreibt eine privates Bestattungsunternehmen und arbeitet im hauseigenen Keller an den Toten, oder wie er sie nennt, an den Kunden. Luzies Mutter hat die Passion entwickelt, die Leichen für die Bestattung schön zu schminken und herzurichten. Die Familie Morgenroth ist also mehr als speziell. Auch Luzie macht nur ungern das was Mädchen in ihrem Alter mögen. Schminken findet sie unnötig, shoppen langweilig und mit Puppen spielen kommt für sie schon gar nicht in Frage. Ihre grösste Leidenschaft ist Parkour, Luzie ist eine Traceurin. Als Luzie wieder einmal mit Verletzungen im Krankenhaus liegt, erscheint ihr ein Geist, der ihr nicht mehr von der Seite weicht. Leander von Cherubims Beruf ist „Körperwächter“. Er beobachtet und beschützt Luzie rund um die Uhr, gibt ihr nervige Tipps und versucht sie von allem Gefährlichem abzuhalten. Kein Wunder hat Luzie bald genug von ihrem „Schutzengel“, wie sie Leander nennt. Bald stellt sich heraus, dass Luzie und Leander nicht miteinander aber auch nicht ohne einander können. Denn im entscheidenden Moment rettet Leander Luzie das Leben. Guter Spannungsbogen, witzige Dialoge, Bekämpfung üblicher Klischees und authentische Sprache machen dieses Buch zu einem Lesevergnügen. Ich konnte des Öfteren über Luzie und Leander lachen, wenn sie sich wieder einmal gestritten und sich danach aber wieder versöhnt haben. Schade habe ich den zweiten Teil nicht gerade zur Hand, werde ihn mir aber besorgen. Wieder einmal ein sehr empfehlenswertes Jugendbuch für alle Jugendlichen ab 12 Jahren.

Gwendoline Riley: Krankmeldungen

Krankmeldungen

Fester Einband: 203 Seiten
Erschienen bei Schöffling, 20.02.2009
ISBN 9783895613555
Genre: Gegenwartsliteratur

Esther lebt in den Tag hinein. Keine Pläne, keine Ziele und vor allem keine Vorstellung vom Leben. Esther schläft und trinkt und trinkt und schläft, sucht sich immer die falschen Typen aus und neigt zur Depression. Als sie den Musiker Newton trifft, scheint sich die Gefühlswelt von Esther zu ändern. Die Autorin erzählt zwar sehr authentisch, sodass sich der Leser in die Figur der Esther eindenken kann. Die Szenen kann man sich sehr gut bildlich vorstellen, dieser Punkt ist der Autorin hervorragend gelungen. Leider ist die Story aber sehr depressiv, die Dialoge sind zum Teil grandios, zum Teil aber vielleicht etwas „konstruiert“ und die Protagonistin schafft es nicht sich innerhalb der Geschichte zu entwickeln. Schade, dass in der Hinsicht nicht mehr passiert.

Wolfgang Herrndorf: Tschick

Tschick

Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Rowohlt, Berlin, 01.09.2010
ISBN 9783871347108
Genre: Zeitgenössische Literatur

Maiks Leben ist langweilig, oder man könnte positiv ausgdrückt sagen, nichts Besonderes. Zwar lebt Maik in einer reichen Familie, an materiellem fehlt es ihm definitiv nicht. Die Mutter jedoch ist Alkoholikerin, der Vater kaum zu Hause. Maik bekommt einen neuen Mitschüler, Andrej, auch Tschick genannt. Tschick wird von allen gemieden, niemand versteht sich mit ihm. Dies ändert sich aber eines Tages, als Tschick plötzlich mit einem gestohlenen Lada vor Andrejs Haus steht. Maiks Eltern sind wieder mal nicht da, Maik langweilt sich und entscheidet sich nach grossen Überredungskünsten zu einer Spritztour mit Tschick. Aus der Spritztour wird eine wilde Reise quer durch Ostdeutschland! Dieses Buch ist lustig und traurig zugleich, denn es widerspiegelt auch ein wenig die heutige Gesellschaft. Das Thema wird aber mit sehr viel Humor abgehandelt. Die Dialoge zwischen Tschick und Maik sind grandios, die Sprache sehr authentisch. Und das Wichtigste: Es wird einem nie langweilig bei diesem Buch. Hervorragend und absolut lesenswert!

A.J. Espstein: Animal Wizards – Drei magische Gefährten

Animal Wizards. Drei magische Gefährten

Fester Einband: 316 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Taschenbuch, 23.11.2010
ISBN 9783499215803
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Strassenkater Aldwyn, Blauhäherdame Skylar und Baumfrosch Gilbert haben etwas gemeinsam: Alle drei sind tierische Begleiter – oder Gefährten – von Zauberlehrlingen. Alle drei besitzen magische Fähigkeiten, sind sich dessen aber nicht immer bewusst. Als eines Tages die drei Zauberlehrlinge entfürht werden, nehmen die drei Gefährten ihre Aufgabe wahr und nehmen sich vor ihre „Herren“ aus den Fängen von Königin Loranella zu befreien. Dass dieses Unterfangen nicht ganz so einfach ist, merken die drei Gefährten sehr schnell. Ob die magischen Fähigkeiten reichen um sich gegen siebenköpfige Schlangen, Monster und nicht zuletzt gegen die Königin durchzusetzen? Gelingt es die drei Zauberlehrlinge zu befreien? Aldwyn und Gilbert sind die sympathischen Figuren in diesem Roman, Skylar wirkt manchmal leicht überheblich und macht nicht immer einen sympathischen Eindruck. Auch scheint sie zwischendurch mit Aldwyn ein Problem zu haben. Wenn es aber darauf ankommt, halten die drei Gefährten zusammen. Leider beginnt das Buch erst nach der Hälfte wirklich spannend zu werden, schade! Die Sprache ist, wie es sich für ein Kinderbuch gehört, grösstenteils sehr einfach. Allerdings hat es aber vereinzelt auch Beschreibungen und Wörter die nicht ganz der Zielgruppe (10 – 11jährige Kinder) entsprechen, rsp. für die angesprochene Zielgruppe vielleicht nicht immer ganz einfach zu verstehen sind.

Janne Teller: Nichts

Nichts

Flexibler Einband: 139 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 26.07.2010
ISBN 9783446235960
Genre: Kinder- & Jugendbuch

„Nichts bedeutet irgendetwas, deshalb lohnt es sich nicht, irgendetwas zu tun.“ Dieser Meinung ist Pierre Anthon, der sich von diesem Zeitpunkt an weigert die Schule zu besuchen. Das einzige was Pierre Anthon den ganzen Tag macht, ist, in seinem Pflaumenbaum zu sitzen und die anderen Schüler mit Pflaumen zu bewerfen. Und ständig behauptet er, dass nichts etwas bedeutet. Pierre Anthons Klassenkameraden wollen ihm das Gegenteil beweisen. Als Klasse kreieren sie den „Berg aus Bedeutung“. Jede und jeder muss etwas zu diesem Berg beisteuern was ihm oder ihr etwas bedeutet. Was das ist, entscheiden die Kollegen. Was mit harmlosen Gegengständen anfängt, artet in Gewalt, Brutalität und abartigen Opfergaben aus. Die Eltern der Schüler schreiten ein! Letztendlich müssen die Kinder einsehen, dass Pierre Anthon mit seiner Meinung ein Stück weit Recht hat! Was für eine grandiose Geschichte! „Nichts“ widerspiegelt die heutige Gesellschaft fast eins zu eins. Je grösser das Opfer, desto grösser die Bedeutung und trotzdem geht man mit dem angeblich Bedeutungsvollen nicht standesgemäss um. Sobald Geld im Spiel ist, und auch das zeigt dieses Buch, wird Bedeutungsvolles verkauft, es kann also dementsprechend nicht so bedeutungsvoll sein. Etwas was einem etwas bedeutet, verkauft man für kein Geld der Welt! Wie wahr, wie wahr! Und trotdem ist dies Alltag in der heutigen Gesellschaft! Das Buch hat mich stark beeindruckt und zum Nachdenken angeregt. Der Autorin sei für dieses Werk gedankt, denn es braucht auch genau solche Bücher!

Jacques Couvillon: Chicken Dance

Chicken Dance

Fester Einband: 334 Seiten
Erschienen bei Bloomsbury, 01.02.2011
ISBN 9783827054586
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Don wächst auf einer Hühnerfarm irgendwo in einem abgelegenen amerikanische Dorf auf. Hühnerfarm klingt langweilig, oder? Don liebt seine Hühner, sind sie doch die einzigen Freunde die er hat. In der Schule wird er gehänselt, den Eltern scheint er egal zu sein, also befasst sich Don mit Hühnern. Er lernt alles über Hühner was man lernen kann und gewinnt einen Hühner-Wissens-Wettbewerb. Nach dem Sieg beim Wettbewerb ändert sich sein Leben. Die Eltern scheinen sich für ihn zu interessieren, die Mitschüler scheinen sich für ihn zu interessieren und die Leute im Dorf nehmen ihn nun auch zur Kenntnis. Durch Zufall findet Don heraus, dass seine bis anhin tot geglaubte Schwester Dawn gar nicht tot ist und macht sich auf die Suche nach ihr. Er sucht Dawn und findet die Wahrheit über sich und seine Familie. Die meisten Menschen in seinem nahen Umfeld sind nicht die für die er sie gehalten hat und auch über sich selbst erfährt Don so einiges. Die Geschichte an sich ist eher traurig. Ein Teenager der in einer nicht funktionierenden Familie in der Abgelegenheit der USA aufwächst, keine Freunde hat und nicht beliebt ist. Und trotzdem hat es in diesem Buch sehr rührende Szenen und schöne und witzige Dialoge. Don scheint mir manchmal fast etwas zu erwachsen zu sein für seine 12 Jahre. Er denkt sehr vernünftig, viele Kinder würden wahrscheinlich anders denken. Ansonsten entspricht Familie Schmidt sehr vielen Klischees. Essen von Fertiggerichten, gemeinsam vor der Glotze sitzen und kaum miteinander kommunizieren. Lange passiert in diesem Buch oberflächlich nicht sehr viel (wenn man zwischen den Zeilen liest allerdings schon), ab der Hälfte des Buches konnte ich dann fast nicht mehr aufhören, weils da wirklich spannend wird. Schade, passiert dies nicht schon früher.


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